28.07.2022
28. Juli 22

Komplexität an der Grundplatte, Einfachheit darüber

Woods Bagot hat für das Projekt „405 Bourke Street Melbourne“, ein hochwertiges Bürohochhaus der Klasse A, den Sir-Osborn-McCutcheon-Preis 2022 des Victorian Institute of Architects für gewerbliche Architektur gewonnen. Der 39-stöckige Turm, eines der größten Geschäftsgebäude der Stadt, ragt dank eines 16,5 Meter langen Auslegers über den bestehenden Wohnkomplex hinaus und fügt sich nahtlos in dessen denkmalgeschützte Fassade ein.

Die Jury lobte Woods Bagot dafür, dass das Büro an der 405 Bourke Street im Herzen von Melbournes Innenstadt – einem von Brookfield Properties entwickelten und von Multiplex realisierten Projekt – „auf einem ungünstigen Grundstück eine perfekte Grundrissgestaltung geschaffen hat“.

„Der Entwurf von Woods Bagot bietet eine gelungene Lösung für die Herausforderungen und Prioritäten eines wertorientierten Bauauftrags für ein Gewerbeobjekt – durch präzise strukturelle Ökonomie, energieeffiziente Haustechnik und gekonntes Materialhandwerk“, so die Begründung der Jury.

Sie fügten hinzu, dass die 405 Bourke Street „zur Gestaltung des städtischen Raums beiträgt, indem sie einen ruhigen und einladenden Ort zum Arbeiten schafft“ – was gerade jetzt entscheidend ist, da Arbeitgeber versuchen, ihre Mitarbeiter wieder ins Büro zu holen.

„Dieser Erfolg und diese Einfachheit konnten nur dadurch erreicht werden, dass wir die immense Komplexität des Geländes auf der Grundebene bewältigt haben“, erklärte Simon Dick, Partner bei Woods Bagot.

„Es war von Anfang an ein ehrgeiziges Vorhaben“, sagte Herr Dick. „Das Grundstück ist zwischen zwei Wohngebäuden, einem bestehenden Parkhaus und einer historischen Fassade eingezwängt.“

Ein markanter, 16,5 Meter langer Ausleger, der sich von der 11. bis zur 13. Etage des Gebäudes erstreckt, ermöglichte es dem 405 Bourke – das wegen der nächtlichen Beleuchtung seiner siebenstöckigen Glasfassade im Foyer den Spitznamen „The Lantern“ trägt –, sich über den bestehenden Wohnkomplex zu erheben und sich nahtlos in dessen denkmalgeschützte Fassade einzufügen. Dieser Ausleger ist in die Innenarchitektur integriert und bildet die „Mega-Truss“-Zone als beeindruckenden und begrünten Raum. 

„Der Ausleger hat dazu beigetragen, das bauliche Rätsel des Standorts zu lösen. So konnten wir auf der 14. Etage die großzügige Grundfläche schaffen, die wir angestrebt hatten, und diese bis in alle darüber liegenden Etagen fortsetzen“, sagte Herr Dick.  

Medienanfragen:
Tili Bensley-Nettheim:
Spezialistin für Inhalte und Kommunikation (Australien und Neuseeland)

Mit mehr als 40 Stockwerken und einer Höhe von rund 170 Metern bietet das Gebäude „405 Bourke Street“ über 66.000 Quadratmeter an Büroflächen der Klasse A sowie Etagenflächen ab 2.200 Quadratmetern mit Panoramablick auf Melbourne von den oberen Etagen aus.

Das Projekt trägt zudem zur Tradition der Gassen in Melbourne bei, indem es 800 Quadratmeter Einzelhandelsfläche in der Makers Lane schafft, einer neuen Fußgängergasse, die die Bourke Street mit der Little Collins Street verbindet.

Das Gebäude in der 405 Bourke Street entstand zu einer Zeit, als Geschäftsgebäude zunehmend an den Rand der Stadt Melbourne verdrängt wurden; es befindet sich jedoch im Zentrum und liegt direkt an der Bourke Street (der „People’s Street“) sowie der Little Collins Street. 

Es war dieser Standort, der eine Formensprache inspirierte, die der Stadt ein Spiegelbild ihrer selbst bot und dabei die Grundgedanken von Melbourne als der Stadt mit der höchsten Lebens- und Arbeitsqualität widerspiegelte. 

„An diesem Ort spürt man eine besondere Energie, die von der Verdichtung der Stadt ausgeht“, sagte Herr Dick.

„Uns wurde klar, dass sich diese vielschichtigen Aktivitäten der Stadt in einer architektonischen Form vereinen lassen.“

Der Rhythmus des Hoddle-Rasters in Melbourne kommt in dekonstruierter Form durch vielfältige Reflexionen und Wiederholungen zum Ausdruck, die das Licht an den laminierten Kanten der Fassade brechen und absorbieren.

Die zentralen Gestaltungsideen der Schichtung und Reflexion sind den skulpturalen Arbeiten des Künstlers Gerhard Richter entlehnt – dessen Werke Nik Karalis, CEO von Woods Bagot, vor vielen Jahren in der Tate Modern gesehen hatte – und führten zu einer architektonischen Gestaltung des Gebäudes als Anordnung übereinandergestapelter Glasscheiben. 

Das auffallend schlichte Fassadensystem aus sich wiederholenden Lamellen fängt das Sonnenlicht im Laufe des Tages auf unterschiedliche Weise ein. Nachts leuchtet diese Lamellenkonstruktion sanft, weshalb die Melbourner dem Gebäude den Spitznamen „die Laterne“ gegeben haben. 

Das Gebäude in der 405 Bourke Street, das nun von Australiens höchster Architekturinstitution ausgezeichnet wurde, ist ein Beweis für den Wert einer gewerblichen Architektur, die ihre Inspiration aus der eigenen Stadt schöpft. Das Gebäude belebt das Stadtbild von Melbourne optisch, indem es ein einladendes Wahrzeichen schafft, das einem geschäftigen und belebten Stadtteil Charakter und eine schlichte Eleganz verleiht. 

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