Die großen Debatten der Luftfahrt: „Big Roof“ gegen menschliche Maßstäbe

Um die Zukunft der Luftfahrtbranche zu gestalten, müssen Architekten und Designer einen komplexen Weg beschreiten und sich dabei oft mit gegensätzlichen Anforderungen auseinandersetzen, um Ergebnisse zu erzielen, die den ersten Eindruck einer Stadt prägen.  

 

In dieser Reihe beleuchten die Luftfahrtexperten von Woods Bagot die Geschichte, die Hintergründe und die Herausforderungen ausgewählter Debatten in der Luftfahrtbranche – und erläutern, wie diese Spannungen die Gestaltung von Flughäfen in Zukunft prägen werden.  

 

Hier bringt Jodi Archer, Leiterin des Bereichs Luftfahrt, die architektonische Aussage des großen Daches mit der Intimität einer Gestaltung im menschlichen Maßstab in Einklang. 

 

Jodi Archer darüber, warum die Nutzer des Raums die gestalterische Umsetzung bestimmen sollten. 

Flughäfen sind Wahrzeichen ihrer Städte und Toren zu dem Leben, für das sie stehen.

Der prächtige Eingang einer Stadt hinterlässt einen bleibenden Eindruck, weshalb ein architektonisches Statement unerlässlich ist. Gleichzeitig sorgt die Einbeziehung des lokalen Charakters und der lokalen Kultur dafür, dass jeder ein unvergessliches Erlebnis hat.

Im Mittelpunkt dieser Debatte steht die Frage nach dem besten gestalterischen Ansatz: Sollen wir der architektonischen Pracht des „großen Daches“ den Vorrang geben oder uns auf die angenehme Haptik einer Gestaltung im „menschlichen Maßstab“ konzentrieren?

Die Argumente für das „große Dach“ liegen auf der Hand: Eine großflächige visuelle Präsenz sowohl vom Boden als auch aus der Luft zu schaffen, ist ein äußerst seltenes Privileg, und das Dach ist der Schlüssel zu einem starken architektonischen Statement.

Ein gutes großes Dach ist nicht nur optisch beeindruckend, sondern auch flexibel – ein übergreifendes Vordach, das jahrelang standhaft bleibt und sich gleichzeitig an die sich ständig ändernden Anforderungen der darunter liegenden Umgebung anpasst. Die Planung von Flughäfen ist komplex, und es wird immer wichtiger, dass sich diese gewaltigen Infrastrukturen im Laufe der Zeit anpassen, weiterentwickeln und erweitern können.

Ein großzügiges Dach kann Besuchern zudem die Orientierung erleichtern, indem es den Rahmen für eine intuitive Wegfindung schafft und die Navigation vereinfacht. Hohe Glasfassaden und hohe Decken durchfluten den Raum mit Tageslicht, leiten die Passagiere zu ihren Gates und sorgen gleichzeitig mit Eleganz für mehr Komfort. Raum ist der ultimative Luxus, doch die richtige Größe und Gestaltung des Raums ist eine Frage der persönlichen Interpretation – Komfort, bei dem alles griffbereit ist.

Dennoch frage ich mich, ob ein großes Dach allein in einem Raum, der so viele Menschen fasst, ein Gefühl der Verbundenheit schaffen kann. Ein großes Dach verleiht dem Gebäude zwar eine ikonische Identität, aber lässt sich dies nicht auch auf menschlicher Ebene erreichen?

„Flughäfen sind Wahrzeichen ihrer Städte und Toren zu dem Leben, für das sie stehen.“

Als Designerin ist es mein Lebensziel, durch Erlebnisse das Leben der Menschen zu gestalten und zu bereichern. Meine erste Liebe galt dem tiefgründigen und abstrakten Design, inspiriert von Gaudí, der jedes Detail sorgfältig durchdachte, um ein Konzept zu stärken und Freude zu bereiten – von der Form eines Türgriffs bis hin zum Muster im Glas. Große, offene Räume wie Flughäfen wirkten früher einschüchternd auf mich, und ich suchte nach einem ruhigen Plätzchen abseits der ausgetretenen Pfade, das es jedoch selten gab.

Heute gibt es spezielle Bereiche für diese Bedürfnisse, die die Inklusivität des modernen Lebens widerspiegeln. Aber sollten sich diese Elemente nicht nahtlos in die Gestaltung einfügen? Sollte die ultimative gestalterische Antwort nicht nahtlos sowohl großen als auch kleinen Bedürfnissen gerecht werden?

Wenn wir über Menschen nachdenken, wird uns bewusst, dass zwar jeder ähnliche Grundbedürfnisse hat, unsere individuellen Erfahrungen und Persönlichkeiten jedoch prägen, wonach wir suchen. Der Zweck eines Flughafens besteht darin, Menschen in Flugzeuge ein- und aussteigen zu lassen, doch die Menschen wünschen sich auch eine stressfreie Umgebung – eine einfache Orientierung, bequeme Sitzgelegenheiten und Annehmlichkeiten, durch die sie sich wie zu Hause fühlen.

Wenn man zehn verschiedene Stühle aufstellt, ist es unwahrscheinlich, dass jeder denselben Favoriten wählt. Faktoren wie körperliche Verfassung, Mentalität, Kultur, Stimmung und Gesellschaft beeinflussen das Verhalten und die Vorlieben. Jeder möchte einen Stuhl, aber nicht denselben – die Menschen wollen Auswahl.

Wenn wir nicht für Menschen gestalten, für wen gestalten wir dann eigentlich? Ich glaube, dass wir einen Raum durch die Menschen prägen, die ihn nutzen.

Kann dies sowohl ein großes Dach als auch eine menschliche Dimension leisten? Auf jeden Fall.

„Wenn wir nicht für Menschen gestalten, für wen gestalten wir dann eigentlich? Ich glaube, dass wir einen Raum durch die Menschen prägen, die ihn nutzen.“

Wir nutzen die räumliche Form, um die Bewegung zu lenken – wo beschleunigt man ganz natürlich, und wo verlangsamt man das Tempo? Gibt es erkennbare Veränderungen in der Gebäudeform oder im Volumen, die diese Veränderungen beeinflussen?

Ich führe oft tiefgründige Gespräche mit meinen Kindern, die ihre Kreativität anregen. Kürzlich fragte meine Tochter: „Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei?“ Mein Sohn antwortete prompt: „Das Huhn – eine Weiterentwicklung des Dinosauriers“, und schloss andere Möglichkeiten selbstbewusst aus. Mir gefällt jedoch die Vorstellung, dass das Ei zuerst da war. So wie das Ei der Ursprung des Huhns ist, sind die Kernwerte und Bedürfnisse eines Raumes der Ausgangspunkt für dessen Gestaltung – die Essenz eines jeden Raumes beginnt im Inneren.

Meine Antwort lautet also: Die Menschen, die den Raum nutzen, sollten die gestalterische Lösung bestimmen. Manchmal bedeutet das ein großes Dach, aber immer bedeutet es, dass der Mensch im Mittelpunkt steht.

   

   

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